Etwas entsetzt verfolgte ich heute eine Sendung, in der über die Gefahren von Festplatten- und Speicherkartenverkauf gewarnt werden wollte. Sender / Sendung sind mir leider nicht bekannt, aber hier der grobe Ablauf:
technisch Unbedarfte verkaufen private Festplatte, digi-cam mit SD-Karte oder beliebiges Speichermedium an Reporter
Reporter stellt mit recovery-Programm gelöscht geglaubte Daten wieder her
Verkäufer wird mit ausgedruckten Familien-Fotos u.ä. konfrontiert
So weit, so gut…denn was viele nicht wissen: Die benutzte Windows-Löschfunktion vernichtet die Daten nicht. Stattdessen markiert das Bestriebssystem die Dateien als überschreibbar und macht sie so zu freiem Speicherplatz. Der Inhalt bleibt theoretisch solange erhalten (und somit von recovery-Programmen wiederherstellbar) bis der besagte Platz von neuen Daten eingenommen wird.
Ich muss gestehen, dass ich die Sendung nicht bewusst verfolgt habe, aber als ich das nächste Mal aufmerksam wurde, zerschnitt ein „Datenschutz-Profi“ einen usb-stick mit einer Zange und zerkratzte eine Festplatte mit einem Schraubenzieher. Kernaussage: „Jetz´ isses sicher!“
Meiner Meinung nach gibt es weniger brutale und vor allem kosteneffizientere Lösungen, um sensible Daten sicher zu löschen.
Ich benutze „Eraser“. Frei erhältlich unter der GNU General Public License.
Das Programm überschreibt beim Löschen den freigewordenen Speicherplatz mit zufälligen Zahlenkombinationen und macht somit ein einfaches Wiederherstellen so gut wie unmöglich. Verfügbar ist dabei auch 7faches Überschreiben nach Art des amerikanischen „Department of Defence (DoD 5220.22-M)“ oder 35faches nach „Gutmann-Methode“. Auch nachträgliches, „sicheres“ Löschen ist möglich. Dabei wird der vermeintlich freie Speicherplatz überschrieben (was mit Gutmann und GB-Platten natürlich entsprechend dauert).
7fach ist völlig ausreichend für Urlaubsfotos und einem Verkauf der Platte steht, im Gegensatz zur „Schraubenzieher-Methode“, nichts mehr im Wege.
Eine sehr ausführliche Anleitung zu Eraser hat Rudi Theisen erstellt. Auch wenn die erklärte Version älter ist, hat sich im Großen und Ganzen nicht viel geändert. Interessierte finden hier auch weiterführende Infos zu den verschiedenen Algorithmen.
Falls in dem Beitrag bereits ähnliche Möglichkeiten vorgestellt wurden, habe ich es auf Grund von zapping verpasst…Asche auf mein Haupt, aber die Zangen-Aktion hat mich geschockt! Und wenn jemand weiß, was ich da gesehen habe…lasst es mich wissen.
Zur Ehrenrettung des „Datenschutz-Profis“ zitiere ich besagte Anleitung:
Festplatten mit sensitiven Daten kann man auch mechanisch, z.B. mit dem Bohrer zerstören. Wenn eine Festplatte defekt ist, ist das die einzige Möglichkeit, den Zugriff auf deren Dateien zu verhindern.